Thema Krebs: Konzeption einer Informationsbroschüre


Empathie in der Konzeption

Ein evangelisches Krankenhaus am Niederrhein hat etwas Vorbildliches geschaffen: Im Haus sind onkologische Kompetenzen, angeschlossene Facharztpraxen sowie Komplementärangebote zu einem eigenen Experten-Netzwerk namens Tumorzentrum gebündelt worden. Damit steht allen von Krebs Betroffenen überregional ein zentraler Ansprechpartner zur Verfügung, der diese bei Diagnostik, Therapie sowie parallelverlaufender Betreuung und Versorgung administrativ begleitet. Bis hin zur Pflegeüberleitung in den Sozialen Diensten (z.B. Beratung über Rehaantrag, Pflegedienstberechtigung, Erwerbsunfähigkeit usw.) oder Krebsnachsorge in der post-therapeutischen/-operativen Phase (Reha u.a.) leitet das Tumorzentrum sicher durch das sonst von Patienten und Angehörigen oft als belastend kompliziert empfundene Portfolio mit seinen vielen Ansprechpartnern, Angeboten und Adressen.


Das Tumorzentrum umfasst i.M. folgende Einzelbereiche:
Kooperatives Brustzentrum
Darmzentrum
Gynäkologisches Krebszentrum
Onkologisches Zentrum
Abteilung für Neurologie und Neurophysiologie
Diagnostischer Bereich (Labor, Radiologie, Histologie/Pathologie)
Strahlentherapie
Medikamentöse Therapie
Palliativmedizin
Enddarmzentrum
Schwerpunktpraxis Onkologie
Studien/Forschung
Psychoonkolgie
Seelsorge
Pflegerischer Bereich
Ambulanter Palliativpflegedienst
Komplementärangebote (z.B. Kunsttherapie,)
Soziale Dienste


Ähnlich nüchtern wie die obige Auflistung, präsentierte sich auch das Manuskript, das man mir anfangs übergab. Ohne Frage ist die zentrale Vernetzung der vielen onkologie-relevanten Einzelbereiche sehr sinnvoll und aus Sicht Betroffener regelrecht ein Segen. In der Außendarstellung führt dies andererseits schnell zu einer ermüdenden Aufzählung der Leistungsspektren. Der Leser ist dadurch kaum in der Lage, das Gesamtbild eines Tumorzentrums zu erfassen, zumal es dieses ja physisch – also als reales Zentrums-Gebäude – nicht gibt. Da aufgrund des Umfangs der medizinischen/nicht-medizinischen Leistungen eine grafische Darstellung (Flussdiagramm o.Ä.) ebenso ausschied, wäre vermutlich die Vermittlung der im Tumorzentrum genutzten Synergieneffekte vollends verlorengegangen. Deshalb erarbeitete ich ein, diese Inhalte ummantelndes, einfühlsames Konzept mit Tuschezeichnungen von Aleksandr Ermakov (St.Petersburg) und stimmungsvollen Verläufen von Aquarellfarben.

Zielgruppenkorrektur

Die Informationsbroschüre richtet sich nicht, wie ursprünglich angenommen, ausschließlich an onkologische Patienten. Selbstverständlich dient das Tumorzentrum diesen als direkter Ansprechpartner in allen Belangen, auch für die Einholung einer Zweitmeinung. Hauptzielgruppe der Informationsschrift sind jedoch die, die nicht betroffen sind. Sie für das Thema zu sensibilisieren war folglich die Hauptaufgabe bei der Konzeption. Dabei galt es, eine tragische Problematik zu vermitteln, die ein gesunder Leser kaum nachvollziehen kann (und will).

Diagnose Krebs

Was tun im Fall der Fälle? Diese Frage war Grundstein für mein Rahmenkonzept. Am Ende sollte es die Frage mit „sich an das Tumozentrum wenden“ beantworten. Um den Leser emotional an das Tabuthema Krebs heranzuführen, habe ich gemeinsam mit der Unternehmenskommunikation des Krankenhauses fiktive Fallbeispiele entwickelt, welche drastisch, doch voller Empathie, den Schock, die Sorge und die Angst bei einer diagnostizierten Krebserkrankung, beispielhaft erzählen. Um die Identifikationsmöglichkeit zu verbessern, wurde bewusst auf hauseigene Abbildungen und Stockphotos von Patienten verzichtet. Statt dessen sprechen die Zeichnungen von Menschen jeden Alters in alltäglichen Situationen für sich.

Postskriptum: Empathische Konzepte in der Unternehmenskommunikation sind noch immer viel zu selten. Gerne berate ich Ihr Unternehmen in einem persönlichen Gespräch.


Tabuthemen? Sprechen wir darüber!
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Text: © Hans-Christian Wichert

Titelbild: © fotolia.com | Datei: #58948518 | Urheber: fotoliaxrender

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